WIE SOCIAL BUSINESS, GENOSSENSCHAFTEN UND DIE KRAFT DER SOLIDARITÄT IM KLEINEN UND IM GROSSEN GESELLSCHAFTEN TRANSFORMIEREN

„Hier ist so viel Potenzial im Raum, um Veränderung zu bewirken“, sagte Daniela Mahr bei ihrer philosophischen Reflektion.

DESHALB SOLLTEN WIR EINFACH MAL STARTEN…ICH FREU MICH DRAUF!

Dies war der Startschuss zu 2 Tagen voller Energie, wertvoller Beiträge und gemeinsamer Interaktionen rund um das Thema Social Business und Genossenschaften und die Kraft der Solidarität. 175 Teilnehmer hatten sich zum Friends of Social Business Forum in der R+V Akademie angemeldet.

DEM MENSCHEN IST KOOPERATION ANGEBOREN

In dem Panel zum Thema Internationale Solidarität mit Prof. Dr. Peter Eigen und Christoph Dänzer-Vanotti, erzählte Eigen davon, wie er während diverser Auslandsaufenthalte ein Gerechtigkeitsgefühl und eine Solidarität mit den Ärmsten der Armen entwickelte, was letztendlich dazu führte, dass er im Alter von 55 Jahren Transparency International gründete.

Aber es braucht auch die Zusammenarbeit verschiedener Stakeholder, um nachhaltig soziale Probleme in einem Land zu lösen. Diesen Multi-Stakeholder Ansatz, den Eigen unter dem Aspekt der Solidarität betrachtet, setzte er in einer Initiative um, um die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie besonders in Produktionsländern wie Bangladesch, der Heimat von Prof. Yunus, zu verbessern. Dabei kommen Regierung, Vertreter der Privatwirtschaft sowie der Zivilgesellschaft zusammen und arbeiten gemeinsam daran, bestehende Probleme zu lösen.

Wie kann Social Business hier eine Lösung sein? „Social Business ist ein Ansatz, bei dem ich nachhaltig soziale Probleme mit einem wirtschaftlichen Konzept löse“, so Dänzer-Vanotti.

GENOSSENSCHAFTEN UND SOCIAL BUSINESS BIETEN VIELFÄLTIGE MÖGLICHKEITEN

Genau um diese vielfältigen Möglichkeiten ging es bei den anschließenden Impulsen von Gabriele Möhlke von Social Business Women und Philipp Veit von der Genossenschaft UrStrom.

Social Business Women (SBW) versteht sich als starkes Zeichen gelebter Solidarität, denn besonders Altersarmut ist ein Frauenthema und selbst eine führende Wirtschaftsnation wie Deutschland kann es sich nicht leisten, 50% der kreativen Köpfe in dem Wirtschaftsgefüge zu benachteiligen. Daher sieht SBW besonders im Bereich der Neugründungen von Unternehmen durch Frauen ein großes Potenzial und unterstützt hierbei durch Coachings, Trainings, Mentoring und Beratung.

Seit 2010 bietet UrStrom einen genossenschaftlichen Ansatz zur nachhaltigen Lösung im Bereich der Energiewende. Der Vorstand der UrStrom eG, Philipp Veit, gab in seinem Impuls einen Überblick darüber, wie UrStrom in Kooperation mit 95 weiteren Genossenschaften und insgesamt rund 15.000 Erzeugern seinen Mitgliedern die Möglichkeit bietet, gemeinsam die Energiewelt und Mobilität von morgen zu gestalten. Hier geht es zum Film von UrStrom: http://www.urstrom-mobil.de/kurzfilm

GRUPPEN INTERAKTIONEN, DIE BEWUSSTSEIN SCHAFFEN

Im Anschluss an die einführenden Panels und Impulsvorträge sowie einem gemeinsamen Transformations-Brainstorming im Plenum, ging es für die Teilnehmer daraufhin in die Gruppen-Interaktionen. Im Rahmen von 8 Workshops diskutierten sie gemeinsam mit ihren jeweiligen Workshop-Hosts konkrete Beispiele und entwickelten praxisorientierte Lösungsansätze zu unterschiedlichen Fragestellungen aus dem Geschäftsfeld von Social Businesses und Genossenschaften. Hierbei konnte sich am Freitag zunächst jeder Teilnehmer für einen der folgenden Workshops entscheiden, um am Samstag entweder einen zweiten Workshop zu besuchen oder die Diskussionen vom Vortag im selben Workshop zu vertiefen:

  • Social Business Women: Arbeit: Fokus auf Women in Leadership + Management: Herausforderungen und Zukunft für Frauen in Führungspositionen
  • Toni Heigl/ Co-Living Corporation Project: Wohnen: Innovatives und solidarisches Wohnen und Arbeiten am Beispiel eines Münchner Referenzprojekts
  • Bernhard Albert, Klaus Hoffman/ Die Kooperative: Wachsen und Öffnen: Wie kann dynamisches Wachstum in einer noch jungen Genossenschaft unter Berücksichtigung zentraler Werte gelingen?
  • Dr. Silke Schemer/ Bilinguale Montessori-Schule: Bildung: Transformation einer bilingualen Montessori-Schule von Verein zu Genossenschaft: Was muss beachtet werden? Wie gelingt der Prozess?
  • Philipp Veit/ UrStrom: Energie: e-CarSharing in Bürgerhand: Behauptung einer Genossenschaft gegen Carsharing-Angebote großer Konzerne
  • Sabine Holtkamp: Pflege: Wie kann die Idee des Social Business zur Verbesserung der Altenpflege in Deutschland beitragen?
  • Manouchehr Shamsrizi/ RetroBrain R&D GmbH: Gesundheit: Herausforderungen für Social Business im Bereich Digital Health am Beispiel der Skalierungsstrategien von RetroBrain
  • Holger Thiesse/ The White Room: Nachhaltige Bekleidung: Wie können
    wir die Idee des Social Business in die Textilindustrie tragen?

SOLIDARITÄT, KREATIVITÄT UND SOCIAL BUSINESS

Den Abschluss des ersten Tages bildete Prof. Yunus mit seiner inspirierenden Rede zum Thema Solidarität und wie dies seine Motivation für die Gründung der Grameen Bank war. Der Friedensnobelpreisträger und Gründer des Grameen Creative Labs arbeitet seit über 40 Jahren unermüdlich daran, Armut auszulöschen und dabei spielen Solidarität, Kreativität und sein Social Business Konzept eine tragende Rolle.

YOUNG SPIRIT BEIM FRIENDS OF SOCIAL BUSINESS FORUM

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Jugend und ihrer kreativen Schaffenskraft.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch Prof. Yunus und Daniel Nowack von Yunus Social Business und einer musikalischen Eröffnung der zwei jungen Sängerinnen und Schwestern Tabea und Annika Dick erweiterten mehrere hochspannende Impulsvorträge den Blickwinkel auf die solidarische Grundhaltung von Genossenschaften, Social Businesses und ähnlichen Initiativen. Johannes Damerau von der Walforma-Schülergenossenschaft präsentierte, wie durch die Gründung der Genossenschaft den Schülern vor allem wirtschaftliches Know-How nähergebracht wurde. Mit einem Wochenmarkt, den sie vom ersten bis zum letzten Schritt selbst organisieren, lernen sie nicht nur die Grundregeln wirtschaftlichen Denken und Handelns, sondern möchten auch zu nachhaltigem, plastikfreien Konsum anregen.

ADAM SMITH UND DER HOMO COOPERATIVUS

Viktoria Schäfer, Vorstandsvorsitzende und wissenschaftliche Leiterin der ADG Scientific, zeigte uns, dass auch dem bekanntesten Ökonomen aller Zeiten zwei Herzen in der Brust schlagen. Adam Smith, ist zwar einerseits Begründer der modernen Ökonomie, die strikt auf der Annahme egoistisch wirtschaftender Individuen basiert, dennoch war Smith ebenso davon überzeugt, dass es in der Natur des Menschen liegt, am Schicksal anderer teilzunehmen. Diese Solidarität und andere Tugenden hatte Smith in seiner Theory of Moral Sentiments dargestellt.

 

SOLARLICHT IN AFRIKA

Bereits beim ersten Friends of Social Business Forum hatte Torsten Schreiber, Gründer & CEO von Africa GreenTec, seine Initiative vorgestellt. Dieses Mal kündigte er eine neue Crowdfunding-Aktion für Mitte dieses Jahres an, um weitere Solartainer nach Mali zu bringen. Der soziale Wandel, den Africa GreenTec durch die Errichtung einer kompletten Elektrizitätsinfrastruktur in einem Dorf hervorruft, ist immer wieder faszinierend. So entstehen Internet Cafés, Schneidereien und andere Kleinunternehmen. All das trägt zur nachhaltigen Bekämpfung von Fluchtursachen vor Ort bei und hilft den Menschen, sich eine eigene Zukunft in ihrer Heimat aufbauen zu können.

Erfahre mehr über Africa GreenTec (https://www.africagreentec.com/)

DIE KRAFT DER JUGEND ZUR GESTALTUNG EINER ZUKUNFTSFÄHIGEN GEMEINSCHAFT

Die Teilnehmer hatten dann die Chance, sich in der zweiten Runde der Gruppen-Interaktionen neue Themen zu suchen oder in dieselben Gruppen vom Vortag zu gehen, um dort weiter in die Diskussionen einzutauchen.

Den Abschluss des zweiten Tages des Forums bildete ein Panel zum Thema „Gestaltung einer zukunftsfähigen Gemeinschaft“, das vor allem mit Vertretern der Jugend besetzt war. Darunter Silas Gottwald, Vorsitzender des Jugendparlaments Wiesbaden, Robin Balzereit, Ständiger Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung sowie Paul Fuhr, Aynid, und Luzie Blom von der Walforma-Schülergenossenschaft.

SOLIDARISCHES BEWUSSTSEIN FÜR WELTWEITEN WANDEL

Außer dem intensiven Austausch und dem Netzwerken verband die Teilnehmer eine gemeinsame Geisteshaltung. Das Bewusstsein für einen notwendigen Wandel, damit wir auch in den kommenden Jahrzehnten ein lebenswertes Miteinander auf dieser Erde führen können, welches aber auch gleichzeitig schonend mit den Ressourcen unseres Planeten umgeht. Dazu braucht es vor allem eines– unsere Solidarität – egal ob lokal oder global.

Wir freuen uns sehr auf die nächste Ausgabe des Friends of Social Business Forums!

Wenn du mehr über Friends of Social Business erfahren möchtest oder auf einer unserer nächsten Veranstaltungen teilnehmen willst findest du weitere Informationen unter:

www.friendsofsocialbusiness.com

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